Elsa Burckhardt-Blum
Schaafstall, Bad Münder-Egestorf, vom 21. Mai - 2. Juli 2022
Anmerkungen zur Ausstellung “Elsa Burckhardt-Blum" (1900 - 1974)
Während meiner Tätigkeit als Assistent an der Universität Lausanne (1972 - 1977) habe ich die Architektin und Zeichnerin noch kennengelernt: eine markante, etwas sperrige, nicht unbedingt einladende Persönlichkeit, die aber die Sprödigkeit ihrer Ausstrahlung durch einen besonderen, poetisch-skurrilen Humor milderte. Dieser Aspekt ihres Wesens findet sich manchmal wieder in den Titeln, die sie ihren Zeichnungen meist unterlegte.
Sie hatte sich damals bereits einen Namen gemacht durch ihre Präsentation in etablierten Galerien (u.a. Susanne Bollag in Zürich) und ihre Teilnahme an überregionalen Ausstellungen. So vertrat sie einmal die Schweiz in einer großen Übersichtsausstellung schweizer Kunst in Japan. In ihrem Haus in Zürich (der Ehemann war ebenfalls Architekt) waren Künstler wie Max Bill und Max Ernst häufig zu Gast.
Nach ihrem Tod kümmerte sich niemand um die Weitervermittlung ihrer Arbeiten. Ihr Nachlass wird verwahrt von ihrer Schwiegertochter in einem kleinen Schloss in einem Vorort von Lausanne.
Nach figurativen Anfängen Ende der 40er Jahre, in denen allerdings bereits die Entwicklung hin zur Abstraktion unverkennbar war, entwickelte sich eine nahezu obsessive zeichnerische Produktion, die zu einem Spiel mit konstruktiven Formen wurde in vielfältiger Variation. Die “Architektur “ dieser Zeichnungen erinnerte zwar an den primären Beruf der Künstlerin, erschien aber eher als Klang denn als kompositorisches Element.
Bei Betrachtung dieses Werks könnte die Assoziation aufkommen: “Thema mit Variation”.
Zutreffend hierbei wäre die formale Reduktion auf einige Bau-Elemente dieser Zeichnungen: wie Quadrat und Dreieck in Spiel, Gegenspiel und Überschneidung. Aber damit wäre vielleicht die formale Strenge erfasst, nicht aber die Poesie dieser Türme und Pyramiden im Kontext ihrer so klaren wie reich modulierten Farbigkeit.
Ein zu Unrecht fast vergessenes, in seiner Konsequenz überzeugendes Werk.
Jetzt wieder zu entdecken.
Ernst J. Kirchertz
